Praxis für Gerichtspsychologie Prof. H. Dettenborn
Praxis für GerichtspsychologieProf. H. Dettenborn

 

Prognosegutachten

 


In gerichtlichem Auftrag werden Prognosegutachten erstellt. Die grundsätzliche
Bedeutung von Kriminalprognosen für die Strafrechts-, Vollzugs- und
Behandlungspraxis liegt u.a. in dem Ziel, durch die Effektivierung
strafrechtlicher und/oder therapeutischer Maßnahmen künftige Straftaten zu
verhindern.

Da die Beantwortung der Frage nach dem Risiko künftiger Delinquenz zu den
schwierigsten Aufgaben juristischer Urteilsbildung gehört, ist die Nutzung psychiatrischer
und/oder psychologischer Prognosegutachten angemessen und teilweise durch die
Strafprozessordnung gefordert, z. B. bei Einweisung in den oder Entlassung aus
dem Maßregelvollzug, Entlassung aus lebenslanger Haft, Aussetzung zur Bewährung
von Reststrafen.

Prognosegutachten werden gemäß den geltenden fachlichen Standards erstellt -
wenn es die konkrete Fragestellung erfordert, in Zusammenarbeit mit einem
Psychiater.

Die Feststellung des individuellen Risikopotenzials einer Person und der
situativen Bedingungen wird als komplexe Aufgabe verstanden, der vor allem
durch die sinnvolle Kombination verfügbarer Methoden entsprochen werden kann.
Deshalb wird sowohl die statistische wie die klinische Prognosemethode genutzt.

Die s t a t i s t i s c h e P r o g n o s e m e t h o d e ist durch die
folgenden Merkmale gekennzeichnet: Regelgeleitete Beurteilung von Person und
Bedingungen; Festlegungen zur Informationsauswahl und -erfassung und Ableitung
des Prognoseurteils meist auf der Basis von Prognosetafeln; empirische
Rückfalluntersuchungen als Grundlage der Einteilung in Risikogruppen, die dann
die Zuordnung einer Einzelperson erlauben (d. h. die Individualprognose
basiert auf der Rückfallwahrscheinlichkeit d e r Risikogruppen, in
die eine untersuchte Einzelperson eingeordnet wird). Als Vorteil gilt die
größere Transparenz und Nachvollziehbarkeit empirisch überprüfter
Risikomerkmale und methodische Standards, die weniger von den individuellen
Urteilsgewohnheiten und -fehlern abhängig sind.

Die k l i n i s c h e P r o g n o s e m e t h o d e ist ausgerichtet auf die
individuellen Besonderheiten des Einzelfalles. Diese Besonderheiten werden auf
der Basis der beruflichen Erfahrung des Beurteilers und unter Nutzung
allgemeiner Erkenntnisse des Faches analysiert und eingeschätzt.

Dabei wird das Zusammenspiel personspezifischer und situationsspezifischer
sowie statischer und dynamischer Prognosefaktoren unter Nutzung vorhandener
Modelle untersucht, und zwar:

  • in der
    prädeliktischen Entwicklung
  • während
    des Zeitraums der deliktischen Handlungen
  • in der
    postdeliktischen Entwicklung und
  • zum
    Zeitpunkt der Begutachtung.

Die Ergebnisse werden zur
Formulierung der klinischen Prognose integriert. Den Abschluss bildet der
Vergleich und die sinnvolle Kombination der Ergebnisse der statistischen und
der klinischen Prognosemethode (vgl. Dahle 2005, Endres 2002a, 2002b, Nedopil
2000). Diese Integration der Ergebnisse ist als eine effektive Möglichkeit
anzusehen, die Qualität und die Treffsicherheit von Prognosegutachten zu
erhöhen.


Literatur

Dahle, K. P. (2005). Psychologische Begutachtung zur Kriminalprognose. In H. L.
Kröber & M. Steller (Hrsg.), Psychologische Begutachtung im Strafverfahren.
Indikationen, Methoden und Qualitätsstandards (S. 133-170). Darmstadt:
Steinkopf.

Endres, J. (2002a). Zur Qualitätssicherung bei Prognosegutachten. In T. Fabian
u.a. (Hg.).Qualitätssicherung in der Rechtspsychologie (S. 301-320). Münster
u.a.: LIT-Verlag.

Müller-Isberner, R. u.a. (2000). Die Vorhersage sexueller Gewalttaten mit dem
SVR-20. Haina.

Nedopil, N. (2000). Forensische Psychiatrie. Stuttgart: Thieme.

Rehder, U. (2002). RRS. Rückfallrisiko bei Sexualstraftätern. Verfahren zur
Bestimmung von Rückfallgefahr und Behandlungsnotwendigkeit. Lingen.

Volbert, R. & Dahle, K. P. (2010). Forensisch-psychologische Diagnostik im
Strafverfahren. Kompendium psychologische Diagnostik, Bd. 12. Göttingen:
Hogrefe.

 

Kontakt

Prof. Dr. Harry Dettenborn
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